Eine musikalische Performance zum Gedicht Alphabet von Inger Christensen

Irene Mattioli und Christiane Hommelsheim (Inszenierung), Christiane Hommelsheim (Performance)

Diese Performance habe wir mittlerweile schon auf Deutsch, Französisch und Italienisch produziert

 

italian version with english subtitles:


Trailer of the french version with english subtitles:

 

 Vollversion Französisch mit italienischen Untertitlen:  

  

https://www.youtube.com/watch?v=MY4Dw6VskwA

 

 

„Wenn ich Gedichte schreibe, dann kann es mir einfallen, so zu tun, als schriebe nicht ich, sondern die Sprache selber. Ich tue so, als hätten die Sprache und die Welt ihre eigenen Verbindungen. Als hätten die Wörter, um mich herum, direkte Berührung mit den Phänomenen, auf die sie verweisen.“ (Inger Christensen)

In alphabetischer Reihe geordnet tauchen die jeweiligen Motive der Dinge, die existieren auf, und werden nebeneinander gestellt. Man staunt über die Existenz einer Vielzahl von Dingen, Dingen die vergessen wurden und von deren Existenz man nicht einmal wusste.

„Die Sprache, die ihren Hintergrund in der Welt hat, wird zu einer Welt in sich selbst, zu einer ständig mehr entfalteten Welt" (Inger Christensen)

Das Langgedicht Alphabet der dänische Autorin bezieht sich auf die sogenannte Fibonacci-Reihe, eine nach dem Mathematiker Leonardo Fibonacci benannte Zahlenreihe, bei der sich jedes Glied der Reihe aus der Summe der beiden vorangehenden Zahlen errechnet (also: 0, 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13‚21).

Inger Christensen benutzt die numerische Serie als Schema für die Länge der jeweiligen Verskompositionen. Der Gebrauch der numerischen Struktur Fibonaccis verortet die unendliche Ausdehnung der Verse, eine Reproduktion von etwas Unzählbarem, einer Ausdehnung weitaus größer als die der Menschen, ein Universum, das sich aus sich selbst erschafft.

Diese Selbsterschaffung der Schrift ähnelt einem biologischen Prozess, und genau so gestaltet sich der performative Prozess des Abends. Wir verzichten auf eine Sinn gebende Interpretation, stattdessen konzentrieren wir uns auf die Ausdruckskraft und musikalische Qualität innerhalb der Textstruktur. Wir arbeiten mit dem Text auf drei Ebenen: live gesprochen, als Zuspielung vom Band und als projizierte Schrift. Die Performerin baut mit ihrer Stimme, mittels Loopgerät, live Klangteppiche auf. Die Stimme löst sich nach und nach von der Person der Performerin und wird zum räumlichen Element des Klangraumes.

Länge: 60 Minuten

ALPHABET ist ein Projekt von Bagatelle N°5 in Kooperation mit der Literaturwerkstatt Berlin im Rahmen des poesiefestival berlin. In Zusammenarbeit mit operare 09 der Zeitgenössischen Oper Berlin im Rahmen von ohrenstrand.net. ohrenstrand.net wird gefördert durch das Netzwerk Neue Musik und die Kulturverwaltung des Landes Berlin.

 

  

  photo: hanna lippmann, berlin